Dr. Martin Münzel

Ehem. wissenschaftlicher Mitarbeiter

Studium der Geschichtswissenschaft und Sozialwissenschaften, Promotion 2004 (Universität Bielefeld). 2003 Aufenthalt am Institut für Europäische Geschichte, Mainz, 2005–2009 Tätigkeit im Archiv der Bertelsmann Stiftung, Gütersloh, seit 2008 verantwortlicher Redakteur der Fachzeitschrift „Archiv und Wirtschaft“, seit 2010 Forschungsprojekt zur Emigration deutscher Unternehmer nach New York 1933–1945 (Gerda Henkel Stiftung). Januar 2014 bis Dezember 2018 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Unabhängigen Historikerkommission zur Geschichte des Reichsarbeitsministeriums im NS mit Schwerpunkt Projektkoordination, -administration und Öffentlichkeitsarbeit.

Kontakt
martin.​muenzel[at]​hu-berlin.​de
Teilprojekt

Die personellen Strukturen der zentralen deutschen Arbeitsbehörden 1919–1960

Gegenstand des Teilprojekts ist zum einen der Aufbau einer umfangreichen Personaldatenbank, in der zahlreiche Informationen zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Führungsebene des Reichsarbeitsministeriums und seiner angegliederten Behörden seit 1919 erfasst werden. Über 1945 hinaus werden für die Zeit bis 1960 außerdem die Beschäftigten in den Arbeitsministerien der Bundesrepublik und der DDR sowie ihren Vorläufern in der Besatzungszeit berücksichtigt. Auf dieser Grundlage sind erstmals komplexe diachrone wie synchrone Auswertungen zu den Personalstrukturen in einzelnen Behörden, Abteilungen oder Zeiträumen möglich. Fragen nach generationsbedingten Prägungen, dem Sozialprofil, Ausbildungs- und Karrieremustern und der Parteizugehörigkeit lassen sich dabei ebenso beantworten wie diejenigen nach der Rückwirkung der politischen Zäsuren 1933, 1939 und 1945/49.

Im Mittelpunkt stehen zum anderen die personellen Entwicklungen innerhalb der zentralen Arbeitsbehörden in der Besatzungszeit, im ersten Jahrzehnt der Bundesrepublik und in den Anfangsjahren der DDR.
Im Westen bildete das 1946 gegründete "Zentralamt für Arbeit" in der britischen Besatzungszone die Keimzelle des späteren Bundesministeriums für Arbeit, und es wird nachgezeichnet, wie sich vor dem Hintergrund von Entnazifizierung, Massenentlassungen und der Internierung zahlreicher hoher Ministerialbeamter durch die Alliierten der personelle Neubeginn gestaltete. Für das Ministerium selbst wird gefragt, welche Anknüpfungen an personelle Kontinuitäten sich ab 1949 ausmachen lassen und welchen einzelnen Persönlichkeiten dabei besondere Bedeutung zukam. Ein Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung der vorangegangenen Zugehörigkeit leitender Beamter zu NSDAP, SA und SS und des Umgangs des Bundesarbeitsministeriums mit Fällen „belasteter“ Mitarbeiter.
Auch im Osten entwickelte sich das Arbeitsministerium aus Zentralverwaltungen der Besatzungszeit, bestand indes bis 1958 nur für eine vergleichsweise kurze Zeit. Erforscht wird, in welchem Ausmaß – unter den Bedingungen der weitreichenden Entfernung ehemaliger NSDAP-Mitglieder aus dem öffentlichen Dienst und zunehmender kaderpolitischer Einflüsse – insbesondere KPD- und SPD- bzw. SED-Mitglieder mit antifaschistisch geprägten Biografien rekrutiert wurden. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche möglichen Rückwirkungen fehlendes Fachwissen und Verwaltungserfahrung auf behördliche Effizienz und Leistungsfähigkeit hatten.

Publikationen

Die jüdischen Mitglieder der deutschen Wirtschaftselite 1927–1955. Verdrängung – Emigration – Rückkehr, Paderborn u.a. 2006.

Flucht, Transfers und Pioniere. Zur Emigration deutscher Bankiers und Verleger nach New York City 1933 bis 1945, in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 57 (2012), S. 181-202.

Neubeginn und Kontinuitäten. Das Spitzenpersonal der zentralen deutschen Arbeitsbehörden 1945–1960, in: Alexander Nützenadel (Hg.): Das Reichsarbeitsministerium im Nationalsozialismus. Verwaltung – Politik – Verbrechen (= Geschichte des Reichsarbeitsministeriums im Nationalsozialismus, Bd. 1), Göttingen 2017, S. 494-550.