Dr. des. Swantje Greve

Ehem. Doktorandin

Studium der Mittleren und Neueren Geschichte, und Kulturanthropologie / Europäische Ethnologie an der Georg-August-Universität Göttingen. 2010–2012 wissenschaftliche Volontärin in der Stiftung Topographie des Terrors, Berlin, 2012–2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Stiftung Topographie des Terrors, Berlin. März 2014 – Februar 2018 Doktorandin (Stipendiatin) in der Unabhängigen Historikerkommission beim BMAS. Juni 2018 Promotion zur Dr. phil. an der Humboldt-Universität zu Berlin (Titel der Dissertation: "Das 'System Sauckel' – Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz und die Arbeitskräftepolitik in der deutsch besetzen Ukraine 1942–1945").

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Raum 123
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Teilprojekt

Das „System Sauckel“ – Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz (GBA) 1942–1945

Im Mittelpunkt des Promotionsprojektes steht Fritz Sauckel als GBA, der ab März 1942 den Einsatz aller Arbeitskräfte im nationalsozialistischen Herrschaftsbereich lenkte und damit auch für die Rekrutierung und Verschleppung von Millionen ausländischen Zwangsarbeitskräften ins Reichsgebiet verantwortlich war. Um zu erklären, wie Sauckel das nötige Durchsetzungsvermögen für dieses Amt erlangte, wird in dem Projekt das Netzwerk um Sauckel in den Fokus gerückt und dessen Entwicklung von den ausgehenden 1920er Jahren in Thüringen bis hin zu Sauckels Tätigkeit als GBA untersucht. Denn die Akteure dieses Netzwerks verfügten über fachliche Expertise, zahlreiche Ämter und Posten und vor allem über wichtige Beziehungen zu den zentralen Behörden des NS-Regimes. Sauckel hatte als Teil des Netzwerks Zugriff auf diese Ressourcen und konnte sie für seine Tätigkeit als GBA nutzen. Auch die Mitarbeiter des GBA-Arbeitsstabs sowie einige Beamte des Reichsarbeitsministeriums zählten zum Netzwerk, das sich ab 1942 zum „System Sauckel“ ausweitete und bis in die besetzten Gebiete hinein wirkte.

Über die Akteure und ihre Ressourcen wird die Funktionsweise der Dienststelle des GBA sowie dessen Zusammenarbeit mit dem Reichsarbeitsministerium und weiteren, an der Arbeitspolitik beteiligten Behörden und Dienststellen analysiert. Welche Rolle spielten die Hauptabteilungen des Ministeriums für die Tätigkeit des GBA? Und welche informellen Kommunikationskanäle und Koordinationsforen gab es?

Am Beispiel der Ukraine wird überdies die Tätigkeit von Reichsarbeitsministerium und GBA in den besetzten Gebieten untersucht. Dabei stehen sowohl die politischen Aushandlungsprozesse zwischen den Akteuren auf der zentralen Ebene im Fokus, an denen der GBA-Beauftragte beteiligt war, als auch die Entwicklung auf der lokalen Ebene. Eine Analyse der Tätigkeit der Arbeitseinsatzstäbe, die hier für die Rekrutierung der Arbeitskräfte verantwortlich waren, zeigt auf, wie GBA und Reichsarbeitsministerium mit ihrer Politik Einfluss auf den Besatzungsalltag in der Ukraine und damit das Leben der Menschen vor Ort nahmen.